Schweibwerkstatt: Die 30-Tage-Kreativitäts-Challenge
Im folgenden Artikel möchte ich über die Bedeutung von Kreativität für Autor*innen sprechen und euch eine Übung vorstellen, mit der ihr eure Kreativität spielend leicht trainieren könnt und die mich selbst seit einigen Monaten begleitet.
Mein wirklich liebster Teil am Schreibprozess ist das Ideenfinden: Also die Phase von der ersten Idee, die manchmal nur ein Bild oder ein Satz ist, bis zum ersten Plotentwurf im Exposé. In dieser Phase schaffe ich in kurzer Zeit Höchstleistungen und in wenigen Stunden oder Tagen läuft mein Gehirn fast über vor neuen Ideen. Ich bin dann richtig im Flow und es macht einfach so viel Spaß. Kreativität ist für Autor*innen wie die Luft zum Atmen oder das Antriebsmittel. Deswegen leiden einige unter den weniger kreativen Teilen des Schreib- und Veröffentlichungsprozesses: Dem Überarbeiten (was natürlich auch kreativ sein kann), Marketing und allem, was dazugehört.
Kreativität in der Buchbranche
Ohne diesen Kreativitäts-Flow geht es manchmal aber nicht, wenn beispielsweise knappe Deadlines drücken oder man in Verhandlungen schnell noch eine Idee ausarbeiten muss. Bei meinem neuen Kinderbuch „Kitsune“ sollte ich meine erste Idee für einen Verlag beispielsweise über´s Wochenende in einen verwertbaren Plot mit Exposé umwandeln. Das war wirklich eine Herausforderung, die ich nur dank viel Kaffee und Pinterest-Boards geschafft habe (hier findest du mein Board zu Kitsune). Kreativität und Ideen finden ist super wichtig, auch wenn man erst auf der Suche nach einem Verlag ist: Was in erster Linie zählt, wenn man wenn man bei Verlag oder Agentur landen möchte, ist ein richtig gutes, durchdachtes und originelles Manuskript, das mit frischen Ideen überzeugt und keine Geschichten erzählt, die schon oft erzählt wurden. Viele gehen den Schritt der Bewerbung zu schnell und schicken Leseproben raus, wenn das Manuskript noch nicht fertig geschrieben ist, aber gerade als Neuling muss man sich erstmal beweisen und bekommt evtl. keine zweite Chance – zumindest meiner Erfahrung nach. Da hat man es nach ein paar Veröffentlichungen zumindest leichter, wenn es um Sichtbarkeit geht. Wie ich mit meinem Kinderbuch beim Oetinger-Verlag gelandet bin, beschreibe ich in meinem letzten Blogartikel (den findest du hier). Neben Kreativität und einem originellen Manuskript zählt auch viel anderes, in erster Linie Glück, im richtigen Moment auf dem richtigen Tisch zu liegen. Aber mehr zu Bewerbungen etc. erzähle ich euch in einem eigenen Blogbeitrag.
Übung: Die 30-Tage-Kreativitäts-Challenge
Ich denke groß. Ihr könnt durchaus erstmal mit einer 30-Tage-Challenge anfangen. Aber die Methode ist einfach und macht Spaß, versüßt mir meinen Alltag und hält meine Kreativität im Fluss. Das hilft mir extrem, wenn ich mal feststecke oder mich fühle, als hätte ich alle Ideen schon fünfmal gedacht. Deswegen habe ich mir im Januar vorgenommen, jeden einzelnen Tag eine in einer Geschichte verwertbare neue Idee zu finden. Nicht unbedingt eine ganze Buchidee, sondern auch eine Idee für einen Konflikt, eine Eigenschaft, eine Beziehung, einen Schauplatz. So gehe ich vor:
- Nummerierte Liste in einem Notizbuch.
- Jeden Abend vor dem Einschlafen schreibe ich eine Idee auf, die mir im Laufe des Tages gekommen ist.
- Falls ich keine Idee habe, überlege ich so lange, bis mir was einfällt (Ich überfliege z.B. einen Wikipediaeintrag zu einem geschichtlichen Ereignis des aktuellen Tages).
- Wenn ich mal einen Tag vergesse, fülle ich die Lücke im Nachhinein aus.
- Nicht zu streng sein: Es müssen keine GUTEN Ideen sein. Es geht um die Übung und darum, der Inspiration im Alltag mit offenen Armen entgegenzulaufen.
Tipps & Tricks
Aber wie kommt man schnell auf eine Idee, wenn einen die Inspiration eben nicht packt? So gar nicht? Für mich funktioniert es immer, mich mit neuen Situationen zu konfrontieren, in Gedanken oder in Wirklichkeit. Filme, Serien und Bücher sind großartiges Inspirationsmaterial, nicht um abzuschreiben, sondern um sich zu denken „Wie hätte man den Konflikt stattdessen lösen können?“ oder „Wie hätte es sonst ausgehen können?“. Oder auch persönliche Erlebnisse, Erfahrungen … Ein paar Beispiele aus dem Februar von mir:
- 23: Feueralarmchaos Schule mit gebrochenem Bein
- 24: besondere/ besonders enge Geschwisterbande
- 25: Krimireihe für Erstleser*innen
Also, macht doch gern mit: Jeden Tag eine Idee. Für mich ist das eine kleine Herausforderung, eine Fingerübung, eine Einladung, sich auf Neues einzulassen, Outside-of-the-Box zu denken und natürlich empfänglich für die Perlen zu sein, die sich in der ein oder anderen Geschichte wiederfinden können. Aus meiner 30-Tages-Challenge ist übrigens eine 365-Tages-Challenge für 2016 geworden. Was haltet ihr davon?